Am 20. September haben Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt. In diesem Beitrag evaluieren wir unsere letzten Vorhersagen vor der Wahl — Berlin Stand 19. September (letzte Umfrage: 18. September), Mecklenburg-Vorpommern Stand 18. September (letzte Umfrage: 17. September) — und vergleichen sie mit den vorläufigen amtlichen Ergebnissen. Die eingefrorenen Prognosen stehen unter Vergangene Vorhersagen. Sachsen-Anhalt zwei Wochen zuvor: eigene Evaluation.

Modellbestätigung: drei Wahlen 2026

Das 5/6-Intervall sagt: In fünf von sechs Fällen liegt das Ergebnis in diesem Band. Über ST, BE und MV sind das 24 Partei-Intervalle, also rund 20 Treffer erwartet. Bei den Wahlkreisen ist die erwartete Trefferquote das Mittel der Favoriten-Wahrscheinlichkeiten — nicht 100 Prozent, sondern das, was die ausgewiesene Unsicherheit hergibt.

Zweitstimme: Coverage der 5/6-Intervalle

16 von 24 Parteien im Intervall (67 %). Erwartet waren 83 %. Berlin fast vollständig im Band, MV dazwischen, Sachsen-Anhalt der Ausreißer — dort eine besondere Wahl mit wahrscheinlich viel taktischem Wählen. Wo das Ergebnis außerhalb lag, meist nicht weit: Berliner Linke 25,7 vs. 25, MV-CDU 4,9 vs. 5; in ST CDU, Linke und BSW ebenfalls knapp am Rand.

Wahlkreise: Trefferquote gegen erwartete Genauigkeit

131 von 155 Direktmandaten richtig (84,5 %). Erwartet aus den Favoriten-Wahrscheinlichkeiten: 82 %. Ungefähr so viele Treffer, wie die kommunizierte Unsicherheit hergibt — in allen drei Ländern bei oder leicht über der Erwartung.

Kurz: Bei den Wahlkreisen liegen wir ungefähr so richtig, wie die ausgewiesene Unsicherheit sagt. Die landesweiten Intervalle waren 2026 etwas zu eng — getrieben vor allem von Sachsen-Anhalt, einer besonderen Wahl mit wahrscheinlich viel taktischem Wählen. Wo das Ergebnis außerhalb des Bandes lag, lag es meist nicht weit außerhalb.

Berlin: Linke vorne, Rest im Band

Die Linke kommt auf 25,7 Prozent — 4,7 Punkte über der Punktschätzung von 21, knapp über dem oberen Intervallende von 25. Alle anderen Parteien bleiben im 5/6-Band, einschließlich BSW (4,7, unter der Hürde) und Kenia wie Rot-Grün-Rot.

Kurzbilanz Berlin

Vorläufiges Ergebnis der Landeswahlleitung (21. September, 03:34) gegen die letzte veröffentlichte Modellprognose. Quellen: AfS Berlin, eingefrorene Prognose vom 19. September.

Zweitstimme: Intervall, Punkt, Ergebnis

Farbige Balken = 5/6-Intervall. Kreise = Punktschätzung. Rauten = vorläufiges Ergebnis (grün im Intervall, rot außerhalb).

Abweichung vom Wahlergebnis

Ergebnis minus Punktschätzung. Der Linke-Fehler (+4,7) steht allein; der mittlere absolute Fehler über acht Parteien liegt bei 1,5 Punkten.

Rot-Grün-Rot und Kenia bleiben beide möglich. Kenia war im Laufe des Abends zwischenzeitlich unsicher, liegt nach dem vorläufigen Sitzbild aber über der Mehrheit (CDU 34 + Grüne 26 + SPD 22 = 82 von 158, Mehrheit 80). R2G kommt auf 95 Sitze unter Führung der Linken. Das BSW bleibt unter 5 Prozent — dafür hatten wir 27 Prozent gegeben.

Welche Szenarien eingetreten sind

Jedes Kästchen = 5 Prozentpunkte. Linke stärkste Kraft: 44 %, also als knappes Rennen ausgewiesen — und eingetreten.

Das Abgeordnetenhaus bleibt bei 158 Sitzen (gesetzliches Minimum 130, 2023: 159). Unsere Simulationen lagen höher (Median 173), weil sie mehr CDU-Überhang in den Westbezirken erwarteten.

Wie groß das Abgeordnetenhaus wird

Gesetzliches Minimum, Median der Sitzsimulation, vorläufiges Ergebnis, AGH 2023. Vorläufig: Linke 47 (28 Direkt), CDU 34 (27), AfD 29 (12), Grüne 26 (10), SPD 22 (1 Direkt). Wahlbeteiligung 74,2 Prozent (2023: 62,9).

78 Direktmandate

64 von 78 Wahlkreisen haben wir richtig vorhergesagt — etwas über der erwarteten Trefferquote von 79 Prozent. Die Linke holt sechs Direktmandate mehr als prognostiziert, vor allem von CDU und Grünen (22 → 28).

78 Direktmandate

Linke CDU AfD Grüne SPD Prognose falsch

Farbe = tatsächliche Gewinnerpartei. Umrandet = Prognose falsch. 14 Fehler, darunter sechs Linke-Gewinne von CDU oder Grünen.

Sechs zusätzliche Linke-Direktmandate Friedrichshain-Kreuzberg 2 (Grüne mit 66 %), Pankow 6 (Grüne 71 %), Charlottenburg-Wilmersdorf 1 (CDU 57 %), Spandau 3 (CDU 82 %), Tempelhof-Schöneberg 4 (Grüne 47 %) und Reinickendorf 1 (CDU 79 %). Wie in Sachsen-Anhalt und bei der Bundestagswahl 2025 bilden wir lokale Kampagneneffekte nicht ab — in Berlin schlägt das diesmal flächig zugunsten der Linken aus.
Acht weitere Fehlgriffe Pankow 1 (AfD 63 % → CDU), Pankow 2 (AfD 47 % → CDU), Charlottenburg-Wilmersdorf 4 (Grüne 52 % → CDU), Spandau 2 (CDU 61 % → AfD), Steglitz-Zehlendorf 1 (CDU 50 % → Grüne), Treptow-Köpenick 3 (AfD 49 % → SPD), Marzahn-Hellersdorf 4 (CDU 60 % → AfD), Reinickendorf 5 (CDU 78 % → AfD).

Mecklenburg-Vorpommern: CDU unter der Hürde

AfD und SPD liegen etwas höher als die Punktschätzung, bleiben aber im Band. Linke (10 → 6,5) und CDU (7 → 4,9) fallen unter das Intervall, die CDU damit unter die 5-Prozent-Hürde. Grüne drin, BSW mit 4,8 Prozent raus.

Kurzbilanz Mecklenburg-Vorpommern

Vorläufiges Ergebnis der Landeswahlleitung (21. September, 00:01) gegen die letzte veröffentlichte Modellprognose. Quellen: LAIV / mvnet, eingefrorene Prognose vom 18. September.

Zweitstimme: Intervall, Punkt, Ergebnis

CDU 4,9 Prozent: 0,1 Punkte unter dem unteren Intervallende von 5 — und unter der Hürde. Die Linke liegt klarer außerhalb (6,5 vs. 8–13). Sonstige 3,4 vs. oberes Ende 3.

Abweichung vom Wahlergebnis

Linke (−3,5) und CDU (−2,1) tragen den Fehler; AfD und SPD holen 1,2 bzw. 2,5 Punkte mehr als die Punktschätzung, bleiben aber im Band. MAE: 1,7 Punkte.

Der Landtag bleibt bei der gesetzlichen Mindestgröße von 71 Sitzen (2021: 79). Die letzte Vorhersage sah ihn ganz überwiegend genau dort. AfD 32 (22 Direkt), SPD 29 (14 Direkt), Linke 5, Grüne 5. Mehrheit ohne AfD: SPD, Grüne und Linke kommen auf 39 Sitze. SPD plus Linke allein reicht nicht (34).

Welche Szenarien eingetreten sind

Grüne über 5 Prozent: 52 %, also als offenes Rennen ausgewiesen — und eingetreten. BSW-Einzug 8 %, nicht eingetreten. Absolute Mehrheit der AfD 2 %, nicht eingetreten.

Wie groß der Landtag wird

Gesetzliches Minimum, Median der Sitzsimulation, vorläufiges Ergebnis, Landtag 2021. Wahlbeteiligung 78,1 Prozent (2021: 70,8).

36 Direktmandate

29 von 36 Wahlkreisen richtig — bei einer erwarteten Trefferquote von 79 Prozent. Sechs der sieben Fehler sind SPD→AfD; umgekehrt geht nur Stralsund II an die SPD, wo wir die AfD vorne gesehen hatten.

36 Direktmandate

AfD SPD Prognose falsch

Farbe = tatsächliche Gewinnerpartei. 2021: SPD 34, AfD 1, CDU 1. 2026: AfD 22, SPD 14.

WK 18 Ludwigslust-Parchim II — SPD mit 82 % vorne gesehen, AfD gewinnt. Der selbstsicherste Fehlgriff. Die übrigen SPD→AfD: Neubrandenburg I und Landkreis Rostock IV je 64 %, Ludwigslust-Parchim V 59 %, Nordwestmecklenburg II 58 %, Mecklenburgische Seenplatte IV 54 %.
WK 26 Stralsund II — AfD mit 69 % vorne gesehen, SPD gewinnt. Der einzige Fehler in die andere Richtung.

Was bleibt

Über drei Landtagswahlen 2026 treffen die Wahlkreise ungefähr so oft, wie die kommunizierte Unsicherheit hergibt: 131 von 155 Direktmandaten, leicht über der erwarteten Trefferquote. Die landesweiten 5/6-Intervalle haben 16 von 24 Parteien gehalten — weniger als die nominalen fünf Sechstel. Der Ausreißer ist Sachsen-Anhalt, eine besondere Wahl mit wahrscheinlich viel taktischem Wählen; wo das Ergebnis außerhalb lag, meist nicht weit (Berliner Linke, MV-CDU, in ST CDU/Linke/BSW). Berlin lag fast vollständig im Band.

Die eingefrorenen Vorhersagen bleiben unverändert unter Vergangene Vorhersagen.


Methode: Landtagswahl-Vorhersage, Wahlkreis-Vorhersage. Letzte Vorhersagen vor der Wahl: Vergangene Vorhersagen. Ergebnisse: AfS Berlin AGH 2026 und LAIV MV LTW 2026, vorläufig, nicht die endgültigen Ergebnisse der Landeswahlausschüsse. Sachsen-Anhalt: Evaluation vom 7. September.