Heute veröffentlichen wir unsere Vorhersage für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – 8 bzw. 22 Tage vor der nächsten Wahl. Unser Vorhersagemodell basiert auf unserem neuen Modell für Landtagswahlen (Stoetzer et al. (2025), An election forecasting model for subnational elections, Electoral Studies). Wir schätzen Bayes’sche Regressionsmodelle (Log-Ratio-Stimmenanteil) auf allen deutschen Landtagswahlen von 1990 bis 2025 und erzeugen 5/6-Kredibilitätsintervalle sowie Szenario-Wahrscheinlichkeiten für bevorstehende Wahlen.


Die Vorhersage

Die folgenden Werte sind Punktschätzungen (Median unserer Posterior-Verteilung); die Intervalle in Klammern geben die Unsicherheit an. Unser Modell erwartet, dass das tatsächliche Wahlergebnis mit etwa 83% Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich liegt (5/6-Kredibilitätsintervall). Dass das Endergebnis außerhalb des Intervalls liegt, ist etwa so wahrscheinlich wie eine 6 mit einem Würfel – möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg zeigt unsere aktuelle Vorhersage ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen. Wir erwarten für die CDU etwa 25% der Stimmen (Intervall: 17% bis 34%), für die Grünen etwa 24% (16% bis 33%). Die AfD liegt mit 16% (10–24%) dahinter, gefolgt von der SPD mit 10% (6–15%), der FDP mit 7% (4–12%), der Linke mit 6% (4–10%), dem BSW mit 2% (1–4%) und Sonstige mit 7% (4–11%).

Prognose Landtagswahl Baden-Württemberg

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz erwarten wir ebenfalls ein enges Rennen: Die CDU liegt mit 26% (18–35%) etwa gleichauf mit der SPD mit 25% (18–34%), dahinter die AfD mit 16% (11–24%). Die Grünen könnten 10% (6–15%) erreichen, die Linke 5% (3–9%), die FDP 2% (1–4%), das BSW 2% (1–3%) und Sonstige 10% (6–15%; hier sind auch die FW enthalten).

Prognose Landtagswahl Rheinland-Pfalz


Unsicherheit und Darstellung in den Abbildungen

Unsere Vorhersagen sind mit Unsicherheit behaftet – je näher die Wahl rückt, desto genauer werden sie typischerweise. Die 5/6-Kredibilitätsintervalle (≈83% Wahrscheinlichkeit) zeigen den Bereich, in dem das Endergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Ein breiteres Intervall bedeutet mehr Unsicherheit; ein engeres Intervall bedeutet, dass wir uns sicherer sind.

In den Prognose-Grafiken sehen Sie pro Partei:

  • Graue Balken: das Ergebnis der letzten Landtagswahl (zum Vergleich)
  • Farbige Balken mit Intervall: unsere Vorhersage – der Punkt ist der erwartete Stimmenanteil (Median), die vertikalen Linien markieren das 5/6-Kredibilitätsintervall
  • Punkte: einzelne Umfragen der letzten sechs Monate

Szenario-Wahrscheinlichkeiten

Neben den Stimmenanteilen berechnen wir Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Szenarien – z.B. welche Partei stärkste Kraft wird oder ob eine Partei die 5%-Hürde schafft. Diese Werte stammen aus den Posterior-Draws unseres Modells: Wir zählen, in wie vielen simulierten Wahlausgängen das jeweilige Ereignis eintritt.

Baden-Württemberg: Stärkste Kraft: CDU etwa 48%, Grünen etwa 43%, AfD etwa 8%. Bei der 5%-Hürde: Die FDP hat etwa 83% und die Linke etwa 72% Chance, in den Landtag einzuziehen; das BSW liegt bei etwa 1%.

Rheinland-Pfalz: Stärkste Kraft: CDU etwa 49%, SPD etwa 44%, AfD etwa 6%. Über die 5%-Hürde: Die Linke hat etwa 55%, die FDP etwa 2% und das BSW etwa 1% Chance.

Szenario-Wahrscheinlichkeiten Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz


Was fließt in die Vorhersage ein?

In beiden Ländern zeigen die letzten Umfragen teils kräftige Zugewinne für die Zweitplatzierten (Grüne in BW, SPD in RLP). Unser Modell nutzt alle bis zum Stichtag verfügbaren Umfragen – damit sind solche jüngeren Bewegungen in den Daten enthalten. Wir projizieren aber keine zusätzliche Dynamik in die Zeit bis zur Wahl: Was in den Umfragen steht, geht ein; einen expliziten „Last-Minute“- oder Amtsinhaber-Bonus modellieren wir nicht. Die Vorhersage kombiniert die aktuellen Umfragen mit dem letzten Wahlergebnis, Bundestrends und einem Indikator für die Partei des bzw. der Regierungschef*in. In der Modellschätzung über alle Landtagswahlen seit 1990 erhält der latente Umfragewert (aus den letzten Umfragen) mit Abstand das größte Gewicht; letztes Wahlergebnis und Amtsinhaber*in (ob die Partei die Regierungschefin bzw. den Regierungschef stellt) spielen eine deutlich kleinere, aber sichtbare Rolle, Bundestrends und Regierungspartei noch weniger. Wir erfassen dabei nur die Partei des bzw. der Regierungschef*in, nicht die konkrete Person; in Baden-Württemberg setzen wir dafür die Grünen als Amtsinhaber-Partei, da wir keine personenbezogenen Daten nutzen.


Technische Änderungen am Modell

Im Folgenden die wichtigsten Abweichungen vom Paper:

Dynamische Lead Times: Keine festen Vorlaufzeiten (2, 14, 60 Tage) mehr; wir passen die Lead Times an das aktuelle Datum und jede Wahl an.

Parteien und Sonstige: Fester Satz von acht „Parteien“ (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, BSW, Sonstige). Sonstige wird als Partei modelliert, mit eigener Vorhersage; anschließend normalisieren wir jeden Draw auf 100%.

BSW: Als Vorhersage-Partei einbezogen, in Umfragen aber nur ab 2024. Bisher gab es keine Landtagswahlergebnisse für das BSW, daher konnte die Partei im ursprünglichen Modell nicht berücksichtigt werden.

Neue-Partei-Variable entfernt: Die Umfragen erfassen die Dynamik neuer Parteien bereits zu einem großen Teil.

Median und 5/6-Intervall: Punkt-Vorhersage = Median; Intervall = 1/12- und 11/12-Quantile (≈83%). Für die hier verwendeten Modelle (8 und 22 Tage vor der Wahl) beträgt der MAE (mittlere absolute Abweichung) etwa 2,5 Prozentpunkte – also die durchschnittliche Abweichung unserer Vorhersage vom tatsächlichen Wahlergebnis. Ermittelt haben wir das per Leave-one-out: Für jede vergangene Landtagswahl trainieren wir das Modell auf allen anderen Wahlen, sagen die ausgelassene Wahl vorher und vergleichen mit dem Endergebnis.